Trâm Anh Kaffee – Ein Reisebericht (Teil 2)

In unserem ersten Teil des Reiseberichtes haben wir euch bereits einiges zur Geschichte und Entwicklung des Trâm Anh Kaffee erzählt. In diesem Teil gehen wir etwas genauer auf die Arbeitsweise der Ahn’s und die Röstung des Kaffees ein.

Neben konventionelle Röstmaschinen durften wir bei Trâm Anh auch eine echte Rarität besichtigen: Eine altertümliche Röstmaschine, mit der Kaffee über dem offenem Feuer geröstet wird. Vor genau 43 Jahren, im Jahr 1977, kam  Vũ Hùng Anh auf die geniale Idee, ein Ofenrohr an eine Röstmaschine zu schweißen, um besser riechen zu können, wann der Kaffee perfekt geröstet ist. Die erste Röstmaschine, die Herr Anh umbaute, könnt ihr auf unseren Bildern sehen. Sie ist bis heute in Betrieb. Und seitdem diese verrückte Konstruktion in Betrieb ist, wurde nicht ein Kilo Kaffee bei Trâm Anh ohne die direkte Beteiligung der Firmengründer geröstet – bei Trâm Anh ist Rösten Chefsache!

Die beschriebene Röstmaschine mit Ofenrohr

Daher verlief auch ein Versuch der zahlungskräftigen Konkurrenz im Sand, den speziellen Trâm Anh Kaffee nachzuahmen. Vũ erzählt uns mit einem verschmitzten Lächeln auf seinen Lippen, dass ein großes vietnamesisches Kaffeeunternehmen, dessen Namen wir hier nicht nennen wollen, mehrere seiner Mitarbeiter abwarb, um den traditionellen vietnamesischen Kaffee mit Bretel Butter und Rum nachzuahmen. Da bei Trâm Anh Rösten aber Chefsache ist, gelang es den Delinquenten nicht, den Kaffee auch nur annähernd in derselben Qualität herzustellen.

Mutter Anh beim Arbeiten

Thị Ánh Tuyết, Trâm Ans Mutter, wirkt sehr gelassen als Sie uns erzählt, dass Sie vietnamesischen Kaffee liebt. Am liebsten trinkt Sie Ihn traditionell zubereitet aus dem Café Phin und nicht aus der Maschine. Seit mehr als 60 Jahren stamme der Kaffee von denselben beiden Plantagen, erzählt sie weiter. Der Kaffee werde per Hand gepflückt und ausschließlich organisch mit Soja- und Reisschalen gedüngt. Die geernteten Bohnen trocknen ein Jahr im Wind, das ist mindestens doppelt so lange wie üblich. Stolz berichtet Sie, dass Sie ein Angebot mit Ihrer Familie in die USA überzusiedeln ablehnte, um weiter jeden Tag Kaffee rösten zu können. Über das Gesicht der junggebliebenen charmanten 61-jährigen Dame legt sich ein zufriedenes Lächeln – Sie weiß, dass Sie die richtige Entscheidung getroffen hat. Alle fünf Kinder arbeiten heute im Familienunternehmen. Sie röstet seit 43 ihr Mann seit 60 Jahren Kaffee.

Die Rösterei von Trâm Anh, die seit der Firmengründung in den 1950er Jahren am selben Ort in Bảo Lộc beheimatet ist, ist ein wahres Idyll. Überall wachsen Bäume, Pflanzen, Blumen und Sträucher. Artischocken trocknen auf Bambusschalen, Vögel singen und Einheimische entspannen im hauseigenen Café.

Wir sind die ersten Partner, die das Firmengelände betreten dürfen. Noch nie zuvor durften Fremde beobachten, wie Trâm Anh Kaffee hergestellt wird. Vor dem schmalen Eingang werden Bananen, gekochte Erdnüsse und grüne Mangos verkauft. Das Firmengelände ist nicht sehr groß. Hier wird nicht das schnelle Geld mit Massenproduktion verdient. Bei Trâm Anh geht es um Leidenschaft für vietnamesischen Kaffee, um Tradition, um Nachhaltigkeit und um Qualität. Und das schmeckt man!

Der Eingang zum Firmengelände der Trâm Anh Familie.

Der Röstprozess mit einer dieser altertümlichen Röstmaschinen dauert etwas mehr als eine Stunde. Die nötige Wärmeenergie liefert ein Feuer. Hierbei ist echte Expertise gefragt. Der Röstmeister muss penibel darauf achten, dass die Kaffeebohnen genau den gewünschten Röstgrad erreichen und dabei nicht anbrennen. Es reicht eben nicht, einfach nur ein vorprogrammiertes Programm zu fahren. Als wir fragen, was für Holz für die Röstung verwendet wird, staunen wir nicht schlecht als Mutter Anh uns erklärt, dass der Kaffee über Holz von Kaffeesträuchern geröstet wird. Die starke Struktur des Kaffeeholzes eignet sich besonders gut, um die Temperatur zu regulieren. Wenn der Kaffee eine leicht rötliche Färbung aufweist, ist er perfekt und wird zum Abkühlen in großen Bambusschalen geschwenkt.

Nach der Röstung kühlt der Kaffee in großen Bambusschalen ab.

Wie bereits erwähnt, ist die Röstmaschine bereits seit 43 Jahren im Einsatz. Sie fasst ca. 20 kg Rohkaffee und verarbeitet diesen in ungefähr 16 kg köstlichen vietnamesischen Kaffee. Es existieren vier weitere Röstmaschinen mit angeschweißtem Ofenrohr, die noch im Einsatz sind.

Wie das mit dem Rum und der Butter funktioniert, dürfen wir euch an dieser Stelle aber leider nicht verraten – Geschäftsgeheimnis, versteht sich. Wir haben viel mitgenommen von unserer Reise nach Bảo Lộc. Neue Eindrücke, neue Freundschaften und neue Kaffeesorten. Die Wärme, mit der uns Familie Anh empfangen hat und die Leidenschaft, mit der sie über sich, Ihren Kaffee und Ihre Firma berichtet haben, hat uns davon überzeugt, dass wir in Zukunft enger mit diesen Menschen zusammenarbeiten möchten. Daher werden wir in naher Zukunft auch neue Produkte von Trâm Anh in unser Sortiment aufnehmen. Wir hoffen, dass euch diese Produkte so überzeugen, wie sie uns überzeugt haben und freuen uns auf euer Feedback!

Euer VietBeans Team

Eine Idee zu “Trâm Anh Kaffee – Ein Reisebericht (Teil 2)

  1. Otto Holl sagt:

    Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich vietnamesischen Kaffee in Thailand getrunken. Das war in Nong Khai, einer Stadt im Nordosten Thailand’s, direkt gegenüber von Laos, unweit von Vientianne. Die Grenzlinie zwischen Thailand und Lao verläuft dort in der Mitte des Mekong. Das CafeViet lag direkt am Mekong. Ein Hochgenuss, den Kaffee dort, mit dem Blick auf diesen grandiosen Fluss, zu trinken.
    Die besten Kaffees, die ich je getrunken habe, waren philippinischer Batangas und eben vietnamesischer Kaffee.

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