Rohkaffee – ein ungeschliffener Diamant

„Rohkaffee kaufen“ hört sich für die meisten Kaffeeliebhaber erstmal abwegig an, denn sie besorgen sich ihren Kaffee in Pulverform, luftdicht verpackt in spezielle Tüten, die das feine Kaffee-Aroma möglichst lange erhalten. Einfach Kaffeepulver in die Filtertüte und ab in die Kaffeemaschine oder von Hand kochendes Wasser darüber – fertig ist der Kaffeegenuss. Doch manche legen auch Wert darauf, die ganzen Kaffeebohnen erst direkt vor der Kaffeezubereitung zu mahlen, was dem Kaffee dann ein noch intensiveres Aroma verleiht. Der bei modernen Vollautomaten bereits integrierte Mahlvorgang funktioniert natürlich auch mit einer elektrischen Kaffeemühle.

Dem experimentierfreudigen Kaffeetrinker bietet sich jedoch noch eine Möglichkeit, sein Genusserlebnis zu steigern. Der etwas größere Aufwand bei dieser Zubereitungsweise wird jedoch mit günstigerem Kaufpreis von ganzen, noch ungerösteten Kaffeebohnen wettgemacht. Das Zauberwort: Rohkaffee.

Rohe Kaffeebohnen?

Rohkaffee bedeutet nichts anderes, als dass die Kaffeebohnen nach der Ernte lediglich aufbereitet, aber nicht geröstet wurden. Diese Aufbereitung geschieht durch mehrwöchige Trocknung der Kaffeekirschen, wie die ganzen Früchte der Kaffeepflanze heißen. Manchmal dauert dieser Vorgang auch bis zu einem Jahr und beinhaltet mehrmaliges, tägliches Wenden der Früchte. Alle weichen und durch den Trockenvorgang spröde gewordenen Bestandteile der Kirschen werden entfernt und aussortiert. Übrig bleiben am Ende dann nur die getrockneten Kaffeebohnen, der sogenannte Rohkaffee.

Schale und Fruchtfleisch der Bohnen können auch im Wasserbad entfernt werden, jedoch darf der an der Bohne haftenden Schleim und das durchsichtige Häutchen, welches die Bohne umschließt, dabei nicht beschädigt werden. Sich natürlicherweise auf der Kaffeekirsche befindende oder extra zugesetzte Bakterien und Hefepilze leiten nun einen mehrstündigen Gärungsprozess ein, der bei bestimmter Temperatur als genialer Geschmacksbringer gilt. Auch lösen sich dadurch Schleimschicht und eventuelle Fruchtfleischreste von selbst ab, bevor die Bohnen anschließend gewaschen und ebenfalls getrocknet werden. Als letztes entfernt man das feine Pergamenthäutchen und übrig bleiben dann ebenfalls die getrockneten Bohnen, der Rohkaffee.

Rohkaffee kaufen für eine „DIY Röstung“

Der engagierte Kaffeegenießer scheut bekanntlich keine Mühe, um in den vollendeten Genuss köstlicher Kaffeearomen zu gelangen. Da der Aufbereitungsprozess der Kaffeebohnen jedoch selbst diesem doch etwas zu aufwändig sein dürfte, konzentriert sich der eigene Anteil an der Herstellung des persönlich kreierten Kaffees auf die Röstung der Bohnen. Hierbei bieten sich hervorragende Möglichkeiten, sich an der Intensivierung verschiedener Geschmacksvariationen zu versuchen. Während der eine seine Bohnen lieber bei hoher Temperatur (200-220 Grad) 12-13 Minuten fettfrei in der Pfanne röstet, bevorzugt der andere die Röstung bei 200 Grad Umluft für 10-15 Minuten im Backofen. In beiden Fällen sollten die Bohnen nie übereinander liegen, da sie sonst nicht gleichmäßig bräunen.

Die Methode der Pfannenröstung ist nicht ganz ohne, da die Bohnen, ähnlich wie Popcorn, irgendwann anfangen zu springen und das Experiment dann, im wahrsten Sinne des Wortes, ganz schön ins Auge gehen kann. Daher sollte man auf entsprechende Schutzmaßnahmen keinesfalls verzichten. Um ihr volles Aroma entfalten zu können, sollte man die Bohnen vor dem Mahlen 5-7 Tage aufbewahren und zum Schutz des Aromas luftdicht verpacken. Der bei der Röstung entstehende Geruch ist nicht jedermanns Sache, wir empfinden ihn allerdings nicht als unangenehm, auch wenn er sich von demjenigen, der beim Kaffee Aufbrühen entsteht, unterscheidet. Ebenfalls ist mit einer gewissen Rauchentwicklung zu rechnen. In Ländern, die Kaffee exportieren, röstet man – was eine gute Stunde dauern kann – auch in offenen Kesseln über Holzfeuer. Der erfahrene Röster erkennt am bloßen Duft, wann die Bohnen fertig sind. Wird zu lange oder zu kurz geröstet, wirkt sich das negativ auf den Geschmack aus.

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Vorzüge der eigenen Röstung von Rohkaffee

Der Aufwand lohnt sich vor allem für diejenigen, die erstens durch die Mischung verschiedener Sorten von Kaffeebohnen individuelle Geschmacksrichtungen kreieren und zweitens Geld sparen wollen. Rohkaffee ist günstiger als gerösteter Kaffee. Zudem kann er mit bis zu 36 Monaten Haltbarkeit im Vergleich zu geröstetem Kaffee (lediglich bis 18 Monate) deutlich länger gelagert werden. Jemandem mit einer Tüte Kaffee aus eigenen Röstung statt mit einer gängigen Marken-Röstung vom Supermarkt ein individuelles Kaffee-Geschenk zu machen, ist als kreative Idee schwer zu überbieten. Auch kann eine Röstung in Eigenregie gesundheitliche Vorteile haben. Aus Kostengründen wird industriell hergestellter Kaffee meist sehr heiß und nur kurz geröstet. Entscheidet man aber, zuhause zu rösten, hat man die Wahl der Methode einer langsamen Röstung bei etwas niedrigerer Temperatur, um die Entstehung bedenklicher Stoffe, wie zum Beispiel Acrylamid, zu verhindern. Zudem kann man sich immer genau die Geschmacksrichtung frisch rösten, auf die man gerade Lust hat. Je erfahrener ein Kaffeeliebhaber in der Röstung von Rohkaffee ist, desto feiner schmeckt er den Unterschied einzelner Geschmacksrichtungen verschiedener Kaffeebohnen heraus und wird damit experimentieren wollen.

Bohnenröstung als Event-Highlight

Außerdem bringt DIY-Rösten auch einen gewissen Spaßfaktor mit sich. Wenn die Bohnen in der Pfanne langsam beginnen, sich farblich zu verändern, sich von grün über gelb hin zu rötlich braun und schließlich bis hin zu schwarzbraun verfärben und dabei immer größer werden, dann hat das durchaus seinen ganz eigenen Reiz. Wenn sie dann ab einer bestimmten Temperatur aufplatzen und in der Pfanne zu springen beginnen, hüpft auch das Herz manch eines Kaffeerösters vor Freude über dieses kleine Spektakel in der heimischen Küche. Natürlich nur, sofern er selbst wie auch die Umgebung in der Küche entsprechend geschützt ist, denn sonst könnte der eigene Pulsschlag auch aus weniger erfreulichen Gründen beginnen, in die Höhe zu schnellen. Wer Lust und schon etwas mehr Erfahrung beim Rösten hat, lädt vielleicht auch gern einmal andere dazu ein, sich das Ganze anzuschauen. Eine Röst-Party mit anschließender Kaffee Verkostung könnte es künftig durchaus als ernstzunehmende Konkurrenz mit privaten Weinproben aufnehmen. Mit dem kleinen, vielleicht aber nicht ganz unwichtigen Unterschied: Die Gäste wären hinterher allesamt noch in der Lage, selbst nach Hause zu fahren. Zusammen mit Freunden die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen der Eigenkreationen zu diskutieren und gemeinschaftlich die Beschaffenheit der Crema zu bewundern, das hat was. Hochengagierte Röster legen sich eventuell sogar spezielle Röstmaschinen zu, die man auch als Privatperson erwerben kann.

Grüner Kaffee

Grüner Kaffee ist nichts anderes als Rohkaffee. Doch warum dann die Bezeichnung „Grün“? Ungeröstete Bohnen haben einen grünen Farbton, der sich beim Rösten durch die extreme Hitze in schwarz-braun verändert. Überbrüht man die rohen Bohnen – entweder als Ganzes oder in gemahlenem Zustand – mit kochendem Wasser, erhält man eine Flüssigkeit, die grünem Tee ähnelt. „Grüner Kaffee“ hat also zwei Bedeutungen: Zum einen werden die Bohnen in rohem Zustand allgemein so bezeichnet. Zum andern aber auch die Flüssigkeit, welche entsteht, wenn die Röstung komplett weggelassen und der Kaffee aus rohen Bohnen zubereitet wird. Vor dem Mahlen roher Kaffeebohnen sollte man aber unbedingt die Packung auf Verunreinigungen wie kleine Steinchen oder Ästchen überprüfen, da diese das Mahlwerk schädigen könnten. Da der grüne Kaffee etwas weniger Koffein enthält und einen hohen Gehalt an Chlorogensäure aufweist, welche die Aufnahme von Zucker im Darm und ein Absinken des Blutzuckerspiegels verhindern soll, gilt er durch seine gewichtsreduzierende Eigenschaft als sehr gesund, wenngleich auch der leicht säuerliche Geschmack etwas gewöhnungsbedürftig sein dürfte. Eindeutig konnte die Wissenschaft die positive Wirkungsweise grünen Kaffees auf die Gesundheit jedoch noch nicht nachweisen. Doch eine Abwechslung zum üblichen Kaffeegenuss dürfte grüner Kaffee allemal sein.

„Das beste am Kaffee ist sein Duft!“

Wer wird nicht schwach, wenn ihm morgens der Duft von Brötchen und frisch gebrühtem Kaffee das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt? Und wer schwört nicht auf seine munter machende Wirkung? Kaffee ist viel mehr als lediglich ein Getränk. Kaffee ist eine Philosophie. Nicht für jeden, doch für viele Menschen in unserer Kultur. Und daher wird auch der Kauf von Rohkaffee immer beliebter, da der Kaffeegenuss hierzulande hoch im Kurs steht und sich sogar noch weiter zunehmender Beliebtheit erfreut, wenn man die Entwicklung betrachtet. Auch wenn Kaffee ursprünglich aus Äthiopien stammt, ist heute Brasilien das Land mit dem grössten Kaffeeanbau, da dort hervorragende klimatische Bedingungen herrschen. Auch hat Brasilien die USA mittlerweile von Platz eins verdrängt, was die Beliebtheit und den Konsum von Kaffee angeht. Doch auch Kolumbien, Vietnam oder Indien exportieren Kaffee von erstklassiger Qualität. Oftmals von Hand gepflückt, handverlesen und organisch gedüngt, wird dieser mit Präzision und Sachkenntnis zur Weiterverarbeitung aufbereitet. Vor der Bestellung von Rohkaffee sollte man sich über Anbau und Aufbereitung besser informieren, um eine gute Qualität zu erhalten.

Stimmt denn nun tatsächlich, das Beste am Kaffee sei sein Duft? Eingefleischte Kaffeeliebhaber werden uns zustimmen, diese These ist falsch. Mit dem herrlichen Duft, den frisch zubereiteter Kaffee verströmt, verbindet man zwar durchaus Erinnerungen und Emotionen, die nicht zwingend auch etwas mit seinem Geschmack zu tun haben müssen. Diesen dann jedoch auf der Zunge ebenfalls zu schmecken, ersetzt keinesfalls das reine Dufterlebnis. Röstet man rohe Kaffeebohnen dann noch selbst, wird man mit zwei unterschiedlichen Kaffeedüften belohnt, was jeder bestätigen kann, der das schonmal ausprobiert hat oder an einer Kaffeerösterei vorbeigefahren ist.

Das beste am Kaffee ist also: Er schmeckt, macht munter, weckt positive Erinnerungen, ist gesund und riecht extrem gut. Wenn er vor der Zubereitung auch noch selbst geröstet wurde, hat er zudem das Prädikat der Einmaligkeit verdient. Sollte die Beliebtheit des Kaufs von Rohkaffee weiterhin zunehmen, könnte das „schwarze Gold“, wie Kaffee umgangssprachlich auch genannt wird, vielleicht bald auch als „grünes Gold“ gehandelt werden. Lust auf eine eigene Röstung bekommen? Dann steht einem Experiment eigentlich nichts mehr im Weg, oder?

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