| Dominik Osele

Wunderheilmittel Kaffee

Wundermittel Kaffee: So gesund ist Kaffee wirklich

Kaffee ist heute eines der beliebtesten Getränke weltweit und für viele Menschen unverzichtbarer Bestandteil ihres Alltags. In Deutschland reiht sich Kaffe auf der Beliebtheitsskala noch vor Mineralwasser und Bier ein – nach Aussagen des Deutsches Kaffeeverbandes soll hierzulande im vergangenen Jahr jede Person täglich knapp vier Tassen des bittersüßen Gebräus konsumiert haben.

Nun liegt es natürlich nahe zu glauben, dass ein solch beliebtes Getränk nicht ohne Haken existieren kann. Gewarnt wurden in der Vergangenheit besonders Herzkranke. Denn Kaffee würde schließlich sogar das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen. Die Wahrheit jedoch könne nicht ferner liegen. Lasst uns also gemeinsam herausfinden: “Ist Kaffee gesund oder ungesund?”

 

Ist Kaffee gut für Herz und Kreislauf?

Im American journal of Clinical Nutrition zeigten die Resultate einer Studie mit 347.000 untersuchten Erwachsenen aller Altersgruppen eindeutig, dass regelmäßiger Kaffeekonsum kein höheres Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Schlimmeres mit sich führt. Ganz im Gegenteil sogar. Es stellte sich heraus, dass dieses Risiko bei Nicht-Kaffeetrinkern sogar deutlich größer ausfällt. Hingegen scheinen sich 3 bis 4 Tassen Kaffee am Tag besonders positiv auf die physische Gesundheit auszuwirken. Das Risiko kann so um 19 % gesenkt werden im Vergleich zu Nicht-Kaffeetrinkern. Im Vergleich konnte bei Kaffeegenießern, die sich mit einer moderaten Menge von 1 bis 2 Tassen pro Tag begnügen, eine Senkung um ca. 8 % beobachtet werden. Die Chance einen Herzinfarkt zu überleben, ist bei Kaffeetrinkern sogar fast doppelt so hoch wie bei Nicht-Konsumenten.

Es sollte jedoch auch erwähnt werden, dass man sich bei 6 Tassen pro Tag die obere Schranke setzen sollte, da sonst die positiven Effekte in negative umgekehrt werden.

Die Vorteile beschränken sich dabei nicht nur auf Herz und Kreislauf. Aussagen des Coffee Excellence Centers an der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften zufolge haben Menschen, die über Jahrzehnte hinweg täglich Kaffee konsumieren, ein geringeres Risiko für eine ganze Reihe von Krankheiten, darunter Typ-2-Diabetes, Depressionen und Demenz. Dabei sollen vorrangig zwei Stoffe die gesundheitsfördernde Wirkung herbeiführen: Antioxidantien und Koffein.

 

 

Antioxidantien im Kaffee – Heimlicher Superheld?

In Kaffeebohnen enthaltene Antioxidantien wie Chlorogensäure und Hydroxyzimtsäure schützen unseren Körper nämlich vor sogenannten freien Radikalen. Dies sind instabile Moleküle, die in unserem Körper entstehen und ein ungepaartes Elektron besitzen. Sie sind auf der Suche nach einem Partner, um stabil zu werden und greifen dabei die Zellen, Proteine und DNA in unserem Körper an. Diese Reaktionen können zu oxidativem Stress führen, der eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die daraus resultierende verschlechterte Durchblutung des Gehirns und dem anschließenden Absterben von Gehirnzellen ist auch ein Hauptgrund für das Einsetzen von demenziellen Entwicklungen.

Besonders viele Antioxidantien enthält laut Professor Chahan Yeretzian, Leiter des Coffee Excellence Centers, Instantkaffee, Filterkaffee und Espresso.

 

Wirkung von Koffein im Kaffee – der treue Sidekick

Die bekanntere Wirkung von Kaffee ist jedoch die als Wachmacher. Koffein ist hier das Zauberwort. Dass Kaffee dem menschlichen Körper einen Energiekick geben kann, ist bereits seit langer Zeit bekannt. Tatsächlich kann der Konsum von Kaffee als Getränk bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgt werden, als die Kaffeekultur erstmalig in Äthiopien entstand. Die wissenschaftliche Forschung zur Wirkung von Koffein auf den menschlichen Körper begann jedoch erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seitdem wurden zahlreiche Studien durchgeführt, um die Auswirkungen von Koffein auf die kognitive Leistungsfähigkeit und die Wachsamkeit zu untersuchen.

2010 wurde in der Studie The Effects of Low Doses of Caffeine on Cognitive Performance von John L. Temple et al. gezeigt, dass bereits eine niedrige Dosis Koffein – 50 mg – die Aufmerksamkeit und die Reaktionszeit verbessern kann. Dies ist das äquivalent einer durchschnittlichen halben Tasse Filterkaffee.

 

 

Kaffee vor dem Einschlafen?

Aufpassen sollte man jedoch, wann der letzte Kaffee des Tages getrunken wird. Was nämlich am Tag die Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit und Wachsamkeit herbeiführen kann, verringert in der Nacht die heilende Wirkung des Schlafes. Koffein hemmt nämlich die Freisetzung von Adenosin, ein Neurotransmitter, der unsere Schläfrigkeit reguliert. Kaffee macht nicht wach, indem er aufs Gas drückt. “Er blockiert nur die Bremse”, sagt Dr. Eva-Maria Elmenhorst, Schlafforscherin am DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin. Eine Bremse, die wir gerne in der Nacht anziehen würden. Denn es reicht nicht nur, unter Einfluss von Koffein einschlafen zu können.

Laut Elmenhorst kann Kaffee nicht nur den Einschlafprozess, sondern auch die Dauer und Qualität des Tiefschlafes beeinflussen, die mit wichtigste Schlafphase der Nacht, da hauptsächlich während ihr die körperliche Erholung – also die Stärkung des Immunsystems, die Konsolidierung von Gedächtnisinhalten (Übertragung von Informationen ins Langzeitgedächtnis) und die Regeneration von Muskeln und Gewebe – erfolgt. Um dieser negativen Nebenwirkung zu entgehen, ist es ratsam, mindestens 6 Stunden vor dem Schlafengehen auf das koffeinhaltige Heißgetränk zu verzichten.

 

Kann Koffein Schlaf ersetzen?

In einer aktuellen Studie, durchgeführt von Dr. Elmenhorst, wurde die Auswirkung von Kaffeekonsum auf das Reaktionsvermögen unter Bedingungen chronischen Schlafentzugs untersucht. Die Probanden wurden über einen Zeitraum von fünf aufeinanderfolgenden Tagen einem Schlafentzug ausgesetzt. Dabei konsumierte eine Gruppe Kaffee (Experimentalgruppe), während die andere Gruppe komplett darauf verzichtete (Kontrollgruppe).

Die Ergebnisse zeigten, dass die Experimentalgruppe in den ersten zwei Tagen ein Reaktionsvermögen aufwies, das dem von ausgeschlafenen Personen entsprach, im Gegensatz zur Kontrollgruppe. Ab dem vierten Tag waren jedoch keine signifikanten Unterschiede im Reaktionsvermögen zwischen den beiden Gruppen festzustellen. Ein bemerkenswerter Nachteil bestand jedoch darin, dass die Erholungsgeschwindigkeit der Kaffee-trinkenden Gruppe beeinträchtigt wurde, da anschließend eine einzige Nacht mit ausreichend Schlaf nicht genügte, um ihre kognitive Leistungsfähigkeit vollständig wiederherzustellen.

Als Fazit legt die Studie nahe, dass während einer anstrengenden Arbeitswoche Kaffee in der Tat helfen kann, die volle Leistung zu erbringen. Jedoch sollte man anschließend ein ruhiges Wochenende für die Regeneration des Körpers einplanen.

 

Ist Kaffee schlecht bei Depressionen?

Der Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Depression ist ein interessantes Forschungsgebiet, das in den letzten Jahren vermehrt Aufmerksamkeit erhalten hat. Studien haben gezeigt, dass der tägliche Konsum von zwei bis drei Tassen Kaffee bei Frauen das Risiko an Depressionen zu erkranken um 15 Prozent reduzieren kann, während bei mehr als drei Tassen pro Tag eine Risikosenkung von 20 Prozent beobachtet wurde. Interessanterweise konnte dieser Zusammenhang nicht bei anderen koffeinhaltigen Getränken festgestellt werden, was darauf hindeutet, dass ein anderer Kaffee-spezifischer Inhaltsstoff für die beobachteten Effekte verantwortlich sein könnte. Die genaue Identifikation und Wirkungsweise dieses Stoffes sind jedoch noch Gegenstand weiterer Untersuchungen. Zukünftige Studien könnten dazu beitragen, das Verständnis über die zugrundeliegenden Mechanismen zu vertiefen und möglicherweise neue präventive oder therapeutische Ansätze zur Behandlung von Depressionen zu entwickeln.

 

 

Ist Kaffee schlecht bei Diabetes?

Eindeutig sei die Datenlage auch im Bezug auf Typ-2-Diabetes. Eine aktuelle Auswertung von 20 Studien aus aller Welt hat ergeben, dass mit jeder weiteren Tasse Kaffee am Tag das Risiko diesbezüglich um 6 Prozent gesenkt werden kann. Insgesamt könnte man damit das Erkrankungsrisiko um 30 Prozent reduzieren. Auch hier ist noch nicht vollends geklärt woran dies liegt. Aber Fakt ist, dass dies sowohl für koffeinhaltigen, als auch für entkoffeiniertem Kaffee gilt.

 

Ist Kaffee schlecht bei Asthma?

Wusstest du, dass Koffein zur selben Wirkstoffklasse wie das Asthmamittel Theophyllin gehört? Bereits 1859 wurden so Asthmapatienten mit Koffein behandelt. Laut den Autorinnen und Autoren eines aktuellen Cochrane Reviews soll Koffein die Lungenfunktion von Asthma-Erkrankten für bis zu vier Stunden mäßig verbessern. Dies reiche jedoch nicht als Therapie-Ersatz für betroffene Personen. Nichtsdestotrotz ein interessanter Fakt!

 

 

Ist Kaffee krebserregend?

In einer faszinierenden Reihe von Studien wurde kürzlich festgestellt, dass Kaffeetrinker seltener an Leberkrebs erkranken. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen nun, ob Kaffee auch gegen andere Krebsarten schützen könnte. Bislang sind die Ergebnisse noch unklar. Eines steht jedoch fest: Kaffee erhöht das Krebsrisiko nicht. Diese Erkenntnis wurde bereits vor einigen Jahren von der Internationalen Krebsforschungsagentur offiziell bestätigt. So können wir weiterhin unseren geliebten Kaffee genießen, in dem Wissen, dass wir zumindest unserer Leber etwas Gutes tun.

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