Wo die Kleinbauern größer als Konzerne sind

Wir lieben unseren Kaffee. Gleich ob als Espresso nach gutem Essen oder mit Milch am frühen Morgen – zu jeder Zeit finden die Bohnen ihren weiten Weg in unsere Tassen. Doch unter welchen Bedingungen geschieht das eigentlich?

Unsere Liebe zum Kaffee verschlägt uns in den Süden des fernen Vietnams. Breits im Landesanflug auf Buôn Ma Thuột sehen wir, wie sich die ferne Stadt aus einem Meer von Kiefern- und Fichtenwäldern auf der Hochebene der Đắk-Lắk-Provinz erhebt. Einst gab es hier viele Vulkane, erklärt man uns im Taxi auf dem Weg in die Innenstadt. Der fruchtbare Vulkanboden hat die Metropole zum Herzen des vietnamesischen Kaffeeanbaus werden lassen, der hier seit rund dreißig Jahren betrieben wird.

Am nächsten Morgen geht es auch gleich los: Auf unserem Weg zu den Feldern passieren wir die unzähligen Cafés, die das Stadtbild der Provinzhauptstadt prägen. Da müssen wir natürlich anhalten. Nach einer Tasse des traditionell zubereiteten Robusta-Kaffees und rund einer Stunde Fahrtzeit kommen wir dann endlich im Kaffeedorf Binh Tan an, wo sich die grünen Felder bis zum Horizont erstrecken.

 

„Wir können hier rund zweimal im Jahr ernten“, erklärt uns der Kaffeebauer Thien Nguyen während er uns zur dorfeigenen Rösterei führt. Thien ist kein Angestellter eines Großkonzerns. Selbstständig erntet Thien auf seiner Plantage rund zwanzig Säcke des hochwertigen Robusta-Kaffees am Tag. Wenn auch von der heißen Mittagssonne geschafft, sagt Thien stolz zu uns: „Ich bin sehr glücklich, dass mir das seit fast dreißig Jahren möglich ist.“ Denn in Vietnam steht es jedem Menschen frei, so viel Kaffee wie nur möglich anzubauen. Fernab profitorientierter Großkonzerne geschieht der Anbau einzig unter Obhut des Staates, der jedem, der will, 1,2 Hektar Land für den Anbau zur Verfügung stellt. Nur so bleibt ein Großteil des Ertrages in den Händen der Bauern. Anders als bei den Bauern Südamerikas, gehen ganze fünfundneunzig Prozent seines Ertrags direkt an Thien Nguyen.

Thien erklärt uns, dass er gern noch mehr ernten würde. Damit der Ertrag noch größer wird, hat er sich deshalb mit anderen Kaffeebauern zu einer Genossenschaft zusammengetan. „Die Qualität entscheidet, denn schließlich ist Kaffee unsere Währung. Wir werfen davon alles in eine Kasse und können so optimal vorsorgen, falls die Ernte mal nicht so gut ausfällt“, so Thien, der sich nach unserem Rundgang gleich wieder an die Arbeit begibt.

Von seiner Plantage aus wandert der Kaffee zu einem Zwischenhändler, der ihn weiter nach Deutschland verschifft. Die Erfolgsstory des vietnamesischen Kaffees liegt vor allem in der wirtschaftlichen Struktur des Landes begründet, wie wir später erfahren. Die Zwischenhändler und Großkonzerne können davon kaum einen Teil für sich beanspruchen. Denn Vietnam ermöglicht es seinen Bauern, alle Informationen rund um den Weltmarkt zu erhalten. Die Bauern werden somit selbst zu kleinen Spekulanten und bestimmen die Preise der Qualität. Die so von ihnen geprägte Landwirtschaft macht es den Großkonzernen ziemlich schwer, Fuß zu fassen. Das Markenzeichen „Fair-Trade“ ist hier nicht sonderlich weit verbreitet. Bei solchen Bedingungen ist es einfach nicht notwendig.

„Würden die Konzerne mit unserem Kaffee handeln wollen, müssten sie ihn ja zu einem niedrigeren Preis einkaufen, für den wir ihn nicht verkaufen wollen“, sagt uns Thien am Nachmittag im Haus seiner Familie, in das er uns auf eine Tasse Kaffee eingeladen hat. Damit der Handel weiter fair bleibt, stehen wir mit vietnamesischen Kaffeebauern wie Thien im ständigen Kontakt. Denn wie der Kleinbauer, finden auch wir: Der Kaffeegenuss ist erst vollkommen, wenn die Bohnen gerecht gehandelt werden.

Vietbeans, für faire Bohnen und feinste Qualität.

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